Ihre Geschichte

 

 

Überblick der Geschichte verkauft am 20. Mai 1948
  Als Occasion verkauft am 17.8.1950
  Halterwechsel am 1. Juli 1951
  Ausser Verkehr gesetzt 1955

 

 

Ihre Geschichte in Details

Es handelt sich um eine Vespa 98 (4. Serie).
Dank des Generalstabes fand ich die drei Besitzer und kenne nun ihre Geschichte.
Ich konnte mit dem Herrn sprechen, der die Vespa vor 53 Jahren besass. Er gab mit sogar Photos von damals.

Die Vespa wurde 1947 von Piaggio in Italien hergestellt. Da sie für den Export in die Schweiz bestimmt war, wurde sie mit einem 125 ccm Motor ausgesrüstet. In Italien hatte die Vespa 98 nur 98 ccm. Ich vermute, dass die Hubraumvergrösserung wegen der vielen Berge gemacht wurde.

Die Vespa verkauften die"Gebrueder Luescher" in Niederurnen. Der Firmenkleber ist noch auf dem vorderen Schutzblech sichtbar.


 Der erste Besitzer

Ein Kaplan aus St. Gallenkappel kaufte die Vespa im Mai 1948 für Fr. 1190.-
Es ist normal, dass die Vespa erst 1948 in Verkehr gesetzt wurde, denn sie wurde im Herbst 1947 produziert, kam dann in die Schweiz und stand im Piaggiogeschäft bis es Frühling wurde.

Am 20. Mai 1948 wurde sie das erste Mal zugelassen.
Der Geistliche hatte nie Probleme mit seiner Vespa, ausser als sie einmal zuviel Benzin bekam. Der Mechaniker aus Niederurnen kam und behob das Problem. Als Dankeschön gab es ein gutes Essen mit Rotwein.

1950 tauschte der Kaplan die Vespa gegen eine brandneue V11 ein. Diese Vespa hatte vorne eine bessere Federung und vor allem hinten einen Stossdämpfer. Bei der Vespa 98 ist der Motor starr am Chassis aufgehängt. Der Kaplan war sehr zufrieden mit dem neuerworbenen Konfort.

Die Vespa 98 kam also zurück zu dem Händler in Niederurnen.

Dieser verkaufte sie als Occasion für Fr. 900.-


Der zweite Besitzer

Am 18. August 1950 kaufte Herr Noser die Vespa. Er war ein einfacher Mann und wollte schon lange eine solche Vespa haben. Er sparte also lange bis er sie kaufen konnte.
Er bekam die Nummer GL 461.

Im Sommer 1951 baute er sein eigenes Haus. Der Maurer, der sein Haus baute, hiess Herr Landolt. Dieser war von Herr Noserės Vespa angetan, und so vereinbarten sie, dass Herr Noser sie an Zahlung für das Haus geben würde.


Herr Noser mit seiner Frau, Sommer 1950
Bäcker Müller mit seiner Frau

 



Der dritte Besitzer

Das Geschäft war perfekt. Herr Landolt löste die Vespa im Juli 1951 auf seinen Namen. Er übernahm auch die Nummer GL 461.
Herr Landolt hatte ein Baugeschäft. Damals, kurz nach dem Krieg, hatte er nur ein Velo und neuerdings auch eine Vespa.
Er demontierte den Soziussitz und verwendete die Vespa fortan als Lastesel. Nicht selten transportierte er damit 2 Säcke Zement, einen auf dem Trittbrett, den anderen auf dem Gepäckträger. Die Spuren vom Zement sieht man heute noch!

Auch Herr Landolt hatte nie Probleme mit der Vespa, ausser dass er die Kupplung oft wechseln musste (
mehr). Diese ersten Kupplungen bestanden aus Korkröllchen und verbrannten oft.

Herr Landolt brauchte die Vespa bis 1955. Dann kaufte er ein Auto und stellte die Vespa auf die Seite.

Nach 1955 verlor sich leider die Spur der Vespa, doch eines ist sicher: Sie wurde nie mehr gebraucht. Beweis dafür ist der gute Zustand und die beiden Bügel für die vordere Nummer. Nach 1955 war die vordere Nummer nicht mehr erlaubt und die Bügel wurden ebenfalls entfernt (
mehr).


Dani hat die Vestpa 1994 von meinem damals 10 jährigen Sohn Claudio gekauft. Claudio wollte sich ein Rollbrett kaufen. Die Vespa stand seit 1955 in einem Schuppen neben unserem Haus und kam erst mit dem Abbruch desselben zum Vorschein. Da eben mein Sohn Claudio die Vespa fand, wurde er von mir auch zu dessen Besitzer ernannt. Wie ich Dani heute erzählte, kam die Vespa nach Baumeistr Landolt zu Schuhmacher Fabbri Guido in Näfels, meinem ehemaligen Nachbarn. Dieser hat die Vespa in den seinerzeit der Fritz Landolt AG gehörenden Schuppen gestellt und vergessen. Ich habe 1978 die Liegenschaft samt Inhalt und somit auch samt Vespa gekauft und auch nichts von dieser Trouvaille gewusst bis zu besagtem Abbruch 1994.
Claudio würde die Vespa gerne sehen; heute würde er sie nicht mehr verkaufen. Im Gegenteil, er möchte im nächsten Sommer selber auf Vespa-Fahrt gehen.

Gruss Fredo Landolt

 

 

 

 

 

Das Geschäft "Gebrüder Lutscher"

Das Geschäft wurde 1936 von Werner Lüscher und seinem Bruder gegründet.
1948 verkauften sie BMW, triumph und Vespas
.

Das Geschäft um 1950. 


Vorne eine Vespa 98
(vielleicht meine?)

 



Vespaclub Glarus
1950 hatte der Vespaclub Galrus bereits viele Mitglieder. Wenn jemand mehr über diesen Culb weiss, soll er sich bitte melden.

Vespa Ausfahrt, Sommer 1950

 

 


 

 

 

Probleme mit der Kupplung
Die ersten Kupplungen von Piaggio bestanden aus Korkröllchen. Wenn man die Kupplung oft brauchte, wurde sie schnell zu heiss und verbrannte. Ich fragte Herr Lüscher Senior, ob er irgend welche Probleme mit den ersten Vespamodellten hatte. Er sagte mir, sie seine problemlos gewesen, ausser erben die Kupplungen. Weil die Motoren damals noch nicht so stark waren, weil die Strassen steil waren und weil die Leute oft zu zweit reisten, liesen die Fahrer die Kuppllungen oft schleifen... und auf die Berge zu kommen.


 

 

 

 

vordere Nummernplatte
Das war typisch schweizerisch. Die Behörden sagten, dass auch die Motorräder zwei Nummern haben mussten (eine vorne, eine hinten). Nach meinen informationen kam dieses Gesetz 1925 (bitte meinen Sie mir, wenn Sie mehr wissen). Von dann an ererigneten sich viele Unfälle, denn die vordere Nummer schnitt sich bei einem Unfall tief in das Fleisch der Opfer. Also mussten die Nummern zuerst in einen Rahmen, um die Schnittgefahr zu verringern. Aber dann, 1955 wurde das vordere Nummernschild schliesslich ganz verboten. Die beiden Halterungen mussten bei allen Fahrrzeugen entfernt werden und die Löcher wurden mit zwei Chromkappen abgedeckt.




Eine Vespa mit Seitenwagen (ca. 1953)

Nummer NW 561
   
Original vordere Nummerplatte aus den vierzigier Jahren


© 2006 by Thomas Hitz